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Im Winter 2022/2023 herrscht in Deutschland plötzlich Arzneimittelknappheit. Eltern sorgen sich um die Versorgung ihrer Kinder, Ärzte schlagen ebenfalls Alarm. Nun hat die Bundesärztekammer die Bevölkerung zur Solidarität aufgerufen: Bürger*innen sollen sich gegenseitig mit Medikamenten aushelfen. Auf WirHelfen.eu. ist das Austauschen von Hilfe einfach und kostenlos möglich – doch Arzneimittelspenden bergen stets auch Risiken.

Ein Medikamentenflohmarkt gegen Medikamentenmangel – mit diesem Vorschlag lässt der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, im Dezember 2022 aufhorchen. Doch wie können Menschen sich angesichts verbreiteter Lieferengpässe bei Medikamenten gegenseitig helfen? Das erklärt der Experte im Interview mit einem Nachrichtensender:

„Medikamentenflohmarkt“ dank Nachbarschaftshilfe: Arzneimittel anbieten und finden

WirHelfen.eu ist deine zentrale Plattform für kostenlose Hilfeleistungen. Über unsere Plattform bringen wir Hilfsangebote und Hilfesuchende lokal in der Nachbarschaft zusammen. Wir ermöglichen es jedem, zuverlässig, schnell und einfach die passende kostenlose Hilfe zu erhalten. Egal, ob du selbst Hilfe brauchst oder gerne helfen möchtest, auf WirHelfen.eu kommst du mit Menschen in Kontakt.

Hast du noch Medikamente im Schrank, die du selbst nicht brauchst, und mit anderen teilen kannst? Dann stelle gleich ein Hilfsangebot auf WirHelfen.eu ein und teile es auf den sozialen Netzwerken. Vielleicht freut sich in deiner Nähe bald schon jemand über deine Unterstützung. „Flohmärkte in der Nachbarschaft“, wie Reinhardt sie vorschlägt, gibt es mit Nachbarschaftshilfen und dank WirHelfen ja bereits.

Arzneimittel spenden: Das sind die Risiken

Arzneimittelspenden können hilfreich, aber auch problematisch sein. Wer Medikamente an andere Privatpersonen spenden möchte, sollte auf die Zusammensetzung der Medikamente achten und darauf, dass keine Unverträglichkeiten bei der Person vorliegen, die sie einnehmen möchte. Die Arzneimittel sollten stets nur für den auf der Originalverpackung und dem Beipackzettel angegebenen Zweck verwendet werden. Auch sollten die Medikamente noch haltbar, das Verfallsdatum nicht abgelaufen, sein. Wer Arzneimittel abgibt oder annimmt, sollte mögliche Risiken bedenken und im Zweifel in der Apotheke um Rat fragen.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) informiert in einem Tipp zu Medikamentenspenden und mahnt: „Lagerungsbedingungen in privaten Haushalten entsprechen häufig nicht den geforderten pharmazeutischen Standards; die Arzneimittel könnten zu starker Sonne oder Feuchtigkeit ausgesetzt oder möglicherweise auch manipuliert worden sein.“ 

Die Pharmazeutische Zeitung warnt in einem Beitrag sogar vor der Abgabe von Medikamenten von Privatpersonen an andere: „Ob rezeptpflichtig oder nicht – es gibt zahlreiche Gründe, warum man Arzneimittel nicht einfach weitergeben sollte, wie der Ärztepräsident vorgeschlagen hat.“ Das gelte erst recht bei Arznei für Kinder.

Der Grund: Nicht jedes Medikament ist für jeden Patienten geeignet, nicht jedes Antibiotikum hilft bei jeder Infektion. Dosierung und Anwendungsdauer von Medikamenten unterscheiden sich und sollten von einem Arzt festgelegt werden, damit sie richtig anschlagen und Resistenzen und Nebenwirkungen vermieden werden. Ein Arzneimittel, das für andere hervorragend geeignet sei, könne einem selbst unter Umständen sogar schaden, unterstreicht Ursula Funke von der Landesapothekerkammer Hessen gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung die Risiken noch einmal.

Außerdem kommt auch die missbräuchliche Verwendung von Medikamenten immer wieder vor, beispielsweise um Rauschmittel daraus zu extrahieren.

Medikamente finden, teilen oder sich anders weiterhelfen

Ob im Alltag, oder in einer Krisensituation, wie der aktuellen Medikamentenknappheit: Auf WirHelfen.eu kannst du kostenlose Hilfe anbieten und finden.

Medikamente finden - ein Herz aus Tabletten liegt auf marmoriertem Hintergrund

Credit: Nataliya Vaitkevich via pexels

Solltest du dich trotz aller Risiken dafür entscheiden, die Plattform WirHelfen.eu zur Weitergabe oder Annahme von Medikamenten zu nutzen, ist diese nicht dafür haftbar, wenn Medikamente missbräuchlich getauscht, abgegeben oder angenommen werden. WirHelfen ist eine gemeinnützige Organisation. Genauso wie unsere Leistung ohne Anspruch auf Gegenleistung geschieht, sollte dies bei allen Helfer*innen und Hilfesuchenden der Fall sein. Mehr dazu erfährst du im WirHelfen Verhaltenskodex.

Wenn deine Apotheke des Vertrauens gerade nicht die Präparate zur Verfügung stellen kann, die du brauchst, du in deiner Nachbarschaft niemanden findest, der dir mit Medikamenten aushelfen kann, oder nicht einfach Medikamente von anderen annehmen möchtest, dann findest du hier in der Apothekenumschau weitere Tipps, was du tun kannst, wenn Arzneimittel nicht verfügbar sind. In diesem Beitrag erfährst du, wann verschiedene Hausmittel wie angewendet werden können.

Medikamente sind knapp: Das steckt dahinter

Auslöser für den Mangel an Arzneimitteln sind mehrere Faktoren: Die Krankenkassen verzeichnen aktuell überdurchschnittlich viele Krankschreibungen. Gleichzeitig sind viele Medikamente in Deutschland gerade nur begrenzt verfügbar, vor allem Arzneimittel für Kinder. Es fehlt an Fiebersaft, Schmerzmitteln und Antibiotika. Auslöser der knappen Lagerbestände in Apotheken und Arzneimittelgeschäften sind Lieferengpässe, für die als Grund vor allem Probleme mit der Lieferkette herhalten sollen. Doch es wird auch berichtet, dass manche Fachleute die Ursache auch in der deutschen „Vergabepraxis“ sehen.

Und nicht nur Kinderärzte und -ärztinnen schlagen wegen fehlender Medikamente Alarm: Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft fallen derzeit auch noch zehn Prozent des Personals in Kliniken krankheitsbedingt aus.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will deshalb kommende Woche ein Gesetz gegen Medikamentenknappheit vorlegen.

Warum die Lage über Lieferengpässe hinaus kompliziert ist, erfährst du in diesem Video:

Sinah Vonderweiden-Pillet

Sinah Vonderweiden-Pillet

Sinah Vonderweiden-Pillet ist Kulturjournalistin und kennt sich auch im Marketing aus. Die „Hamburger Deern“ hat sich auf eine lebensnahe Arbeitsweise im Kultursektor spezialisiert. Sie ist stets auf der Suche nach Wegen und Möglichkeiten, Kulturressorts, Websites und Social Media mit lebendigen und informativen Inhalten zu füllen. Ihre Top-Themen: Kultur versteht sich – insbesondere Musik und Lifestyle, aber auch soziales Engagement, NGOs und Reisefeatures. Ihr Fokus: Positive Einblicke, informative Gespräche und gute Nachrichten.

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